#3 - 06.08.2013: Auf der Flucht!

Wir ruhen uns aus. Während der Magier und unser Priester in einen tiefen Schlaf fallen, halten Tjuv und ich Wache. Vielmehr versuche ich wachsam zu sein, obwohl der kleine Tjuv mir Löcher in den Bauch fragt. Er habe noch nie einen Elfen gesehen und überhaupt, ob ich denn schonmal ein Einhorn gesehen hätte, er würde ja so gerne mal eines sehen ... unfassbar: die Welt geht unter und er redet über Einhörner. Vielleicht ist das die einzig richtige Art, das Leben zu leben, unbelastet von Problemen und nur den eigenen Weg im Auge - ein wenige beginne ich, ihn um diese Fähigkeit zu beneiden. Bevor wir diesen Ort verlassen, begeben wir uns nochmals zum Rand des Dorfes, um nach Überlebenden zu suchen. Wir sehen nur eine Ödnis, nichts hat den Angriff überlebt und das Land selbst beginnt zu sterben, der eigentliche Fluch des Toten Landes! Tjuv und ich fühlen mehr, als das wir wissen, dass uns jemand oder etwas beobachtet, ein ungutes Gefühl.

Die Armee ist weiter gezogen und wir beschließen, ihr zu folgen und die Menschen zu warnen. Unser Weg führt uns tief in den Wald und es zieht ein Nebel auf, so dass wir es nur meinem unbeirrbaren Sinnen zu danken haben, nicht vom Pfad ab zu kommen. Malinoff warnt uns, dass dieser Nebel magisch sei und Tjuv findet mehrere tödliche Fallen auf unserem Weg. Irgendjemand scheint uns zu folgen und ich werde dieses beklemmende Gefühl nicht los, sehenden Auges in eine Falle zu laufen. Wir gelangen an ein großes Haus und Tjuv hat bereits die Tür in dieses Haus geöffnet, bevor wir uns umsehen konnten und ist im Inneren des Gebäudes verschwunden. Nach wenigen Minuten kommt er wieder hinaus und berichtet von wirren Geschichten, die auf Wandteppichen gezeigt wurden. Es geht um Drachen, rote, schwarze, silberne und weiße Drachen, mit Reitern darauf - eine Schlacht mit vielen Toten und der Erde, die sich öffnet und alles verschlingt. Ein Zweikampf zwischen einer Frau mit einem Hydrakopf auf einem schwarzen Drachen und einem schwer gerüsteten Reiter auf einem silbernen Drachen. Eine wirklich wirre Geschichte, die der Kleine da erzählt und seine Augen leuchten. Er scheint diese Reise wirklich zu genießen.

Wir setzen unseren Weg fort und der Nebel verdichtet sich und wird schwarz, als ob er uns bei diesem Haus festhalten und uns zur Umkehr zwingen will. Wir scheinen den Wald zu verlassen und selbst meine Sinne werden benebelt, denn ich befinde mich in einer Stadt und eine Panik beginnt, mich zu befallen, wie sie nur so eine große Stadt auslösen kann. Ich versuche, mich zu beruhigen und zu konzentrieren, kann diesen Zauber, der auf meinem Geist liegt, jedoch nicht überwinden. Als sich meine Sicht wieder klärt, steht Malinoff vor mir, seine Hand auf meiner Stirn, sein sorgenvoller Blick auf meine Augen gerichtet - er scheint wirklich ein machtvoller Verbündeter zu sein. Wir beschleunigen unsere Schritte und nach einer Wegstunde kommen wir an die Grenze des Toten Landes, vor uns liegt eine befestigte Stadt und wir sehen in der Entfernung die Armee der Orks, die sich auf einen Angriff vorbereitet. Nach einem kurzen Gespräch, lässt Malinoff sich vom Wert dieser Stadt überzeugen und wir begeben uns auf deren Palisade zu, um den Menschen hier zu helfen. Während Tjuv und ich uns vorsichtig anschleichen, nimmt Malinoff es nicht so ernst mit der Heimlichkeit und erhebt sich, vom Wind getragen, in die Luft, um so zu den Zinnen des Befestigungswalls zu schweben. Wir kommen später dorthin und sehen unseren Gefährten bereits in ein Gespräch mit einem großen Mann vertieft, dessen Rüstung, so alt sie auch sein mag, prachtvoll genug ist, um ihn als Anführer dieser Stadt zu erkennen. Er stellt sich als Angus vor und ist dankbar für unsere Hilfe, scheint die Gefahr der Armee jedoch zu unterschätzen und überschätzt die Wehrhaftigkeit seiner Holzpalisaden. Als ich auf die Belagerungswaffen deute, schlagen bereits die ersten Steine im östlichen Teil der Palisade ein und wir eilen dorthin. Der Gwirrin scheint fort, eben noch stand er neben mir auf dem Wall. Es ist keine Zeit, nach ihm zu suchen und ich kann nur hoffen, dass er sicher ist.

Als wir dort ankommen, ist die Palisade bereits zerstört und 90 Orks stürmen auf die Bresche in der Verteidigung der Stadt zu. Angus springt vom Wall und stellt sich mit seinen Männern den anstürmenden Orks entgegen und ich entschließe mich, in diesem Kampf an seiner Seite zu stehen. Er scheint sich zu verändern: seine Haare werden rot und ihm scheinen Hörner zu wachsen, während seine Rüstung schwarz wird. Welche Magie auch immer hier am Werke ist, sie reicht aus, um die Orks zurückzudrängen und während ich mich seinem wilden Sturmangriff anschließe spüre ich wieder, wie sich meine Haut verhärtet. Es ist beruhigend zu wissen, dass Malinoff sich ebenfalls dem Kampf angeschlossen hat und uns mit seiner machtvollen Magie unterstützt. Die Schlacht wogt wild und als sich der Schleier aus Blut senkt, liegen 200 Orks tot zu unseren Füßen. Allein Angus und ich konnten durch diesen wilden Angriff mit nur 40 Mann den Gegner zu Flucht drängen und haben nur 15 Kämpfer verloren. Als ich den Blick in die Ferne schweifen lasse sehe ich dort die Belagerungsmaschinen brennen und zusammenfallen - dies ist sicher das Werk von Malinoff.

Wir kehren in die Stadt zurück und Angus verändert sich wieder zu dem Mann, der er ist, bevor er in seinem Haus verschwindet. Malinoff und ich begeben uns zum Gasthaus, wo wir Essen, Trinken, Unterkunft und ein gutes Bad bekommen. Wer hätte das gedacht - auch Tjuv finden wir hier, der sich mit zwei Frauen die Zeit der Schlacht vertrieben hat, es ist wirklich unfassbar ... beim Essen ist Malinoff ungewohnt gesprächig, der Wein scheint seine Zunge zu lösen und er erzählt, dass es früher Rüstungen gab, wie die von Angus. Geschaffen durch mächtige Magie, um die Grenzen der Reiche zu schützen. Sie seien im Besitz der Herrscherfamilien und würden über die Generationen weitervererbt. Ihre Macht fordere jedoch einen Preis, da sie von der Lebensenergie des Trägers genährt würde.

Am nächsten Tag treffen wir wieder auf Angus, um uns mit ihm zu beraten. Seine Augen sind rot, wie in der gestrigen Schlacht und er bestätigt Malinoffs Geschichte: die Rüstung sei ein Erbstück und dies sei der Preis, den sie gestern eingefordert habe. Er hört sich unsere Erzählung an und willigt in meinen Plan ein, einen der Unterführer der Orks zu überwältigen und nach den Zielen und dem Anführer der Armee zu befragen, könne uns jedoch keine Männer dafür mitgeben, da er alle zur Verteidigung seiner Stadt brauche. 

Wir verlassen also die Stadt und spüren einen kleinen Kommando- und Spähtrupp der Orks auf, denen ich einen Hinterhalt legen kann. Malinoff schleudert ihnen den Schlafstaub des Kobolds entgegen und es ist für Tjuv und mich ein Leichtes, sie im Schlaf abzustechen. Die Befragung des Führers dieses kleines Trupps gestaltet sich einfach, nachdem Malinoff eine Illusion erzeugt und er glaubt, von Käfern gefressen zu werden, erfahren wir, dass diese Armee nach der Schriftrolle in unserem Besitz sucht und von einem Ork namens Grischnakh angeführt wird, der jedoch seine Befehle von einem Elfen erhält, der auf einem Pferd mit brennenden Hufen sitzt.

Ich stelle Malinoff zur Rede und fordere Antworten zu der Schriftrolle. Er gibt zu, von seinem Orden geschickt worden zu sein, um nach diesem Gegenstand zu suchen, sagt aber, nicht zu wissen, worum es dabei im Detail gehe. Er habe jedoch nicht vor, die Rolle zurückzugeben, sondern wolle sie vielmehr selbst behalten und herausfinden, welchem Zweck sie diene. Dieser Mann hat große Ziele und große Macht - besitzt er auch die Weisheit und das Verantwortungsbewusstsein, diese Macht nicht zu missbrauchen. Ich werde ihn sorgfältig beobachten müssen!

 

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