#1 & 2 - 24.07. & 30.07.2013: Wandelnde Tote!

Derfel beobachtete sorgfältig das Treiben im Dorf der Menschen. Seit Jahrhunderten durchstreifte er nun schon die Wildnis, immer auf der Hut und immer noch getrieben vom Gedanken an Rache: Rache am Toten Land und seinen verderbten Kreaturen, die die Erde selbst durch ihre bloße Präsenz sterben ließen und in eine trostlose Einöde verwandelten. Er war vorsichtig und misstrauisch - nur so hatte er die Jahrhunderte überleben können als Bastard und Wanderer. Die Menschen des Dorfes schienen sich auf ein Fest vorzubereiten. Der Dorfplatz war mit Girlanden und bunten Lampen geschmückt, es herrschte ein reges Treiben auf den Straßen und die Einwohner dieser kleinen Ortschaft schienen sorglos. Am Rande des Ortes, etwas Abseits, war sogar ein großes Zelt aufgestellt. Ohne Zweifel die Schlafstätte eines Adeligen oder hohen Ritters, wenngleich Derfel das stolze Wappen, das im Wind wehte, nicht erkennen konnte.

Eine Bewegung auf dem Weg forderte meine Aufmerksamkeit - natürlich, ein Gwirrin. Wer sonst würde so unbekümmert diesen Weg benutzen wenn nicht diese furchtlosen Kerle. Ich folgte ihm unauffällig, um zu sehen, wie die Dorfbewohner auf die Ankunft dieses Fremdlings reagieren würden. Eine Kinderschar umkreiste den Ankömmling und es dauerte nicht lange, bis die Mutter der Kinder kam und ihm offenbar Unterkunft in einem der Wirtschaftsgebäude gewährte. Die Menschen hier erschienen mir freundlich und ich trat ebenfalls auf den Platz vor die Kinder, weithin sichtbar und die Menschen um mehr als Haupteslänge überragend. Wie jedes Mal unter den Menschen fühlte ich mich beobachtet und fremd, ein Halbelf oder eher Halbmensch - wer konnte das schon genau sagen. Nach einem kurzen Gespräch erlaubte die Frau auch mir, in ihrer Scheune zu nächtigen und ich traf dort auf den Gwirrin, der sich mir als Tjuv vorstellte und ein freundliches Wesen zu sein schien. Wenngleich seine Fragerei, woher ich denn käme und wohin ich denn wolle anstrengend war, schien es ihn nicht zu kümmern, dass ich die Scheune wortlos verließ, nachdem ich mich vorgestellt hatte.

Ich sah mich in dem kleinen Ort um und es war offensichtlich, das diese Menschen nichts wussten von der Invasion. Es gab keine bewaffneten Männer oder Frauen, keine Wachen - nur überall lautes Lachen, das weithin zu hören war. Lediglich am Zelt des Ritters standen waffenfähige und gerüstete Männer. Mehr noch, im offenen Prunkzelt konnte ich den Edelmann sehen, der diesen Tross anführte. Eine imposante Gestalt, schwer gerüstet und auf einem Waffengerüst konnte man einen schweren Kriegshammer sehen. Neben ihm stand ein Magier, in die roten Gewänder seines Ordens gekleidet und beide schienen dem Wein zuzusprechen. Sie waren ebenso unbeschwert wie die anderen Menschen und so zog ich mich zurück, fort vom lauten Treiben des Festes auf meine stille Wacht.

Es ist tiefe Nacht, die Geräusche des Festes sind verhallt und ich höre das Heulen von Wölfen, das mich fast vor Furcht erstarren lässt. Sie kommen! Ich schlage Alarm und eile zu der Familie, die mir Obdach gewährte. Tjuv wirbelt dort durch die Scheune und scheint mit den Wölfen einen Tanz aufzuführen. Er kann sie zwar nicht zurücktreiben, aber er hält diese Bestien auf. Ich festige den Griff um den Schaft meines Speers und beteilige mich an diesem tödlichen Tanz. Sie haben uns nichts entgegenzusetzen und nach wenigen gezielten Stößen mit meiner Waffe, liegen sie tot am Boden. Wir eilen zu der verängstigten Familie und ich überlege, wohin wir uns in diesem Chaos aus Blut, Schmerz und dem Geschrei der Opfer wenden können. "Zu den Zelten!" rufe ich Tjuv und der Familie zu - von dort sind Kampfgeräusche zu hören und Feuer erhellt die Nacht. Auf dem Weg dorthin schließt sich uns eine Schar Kinder an, begleitet von einer Gestalt in einem Kapuzenumhang, die selbst mich noch überragt. Meine Augen erkennen jedoch sofort die feinen Gesichtszüge eines Elfen in den Schatten seiner Kapuze ... seit wann interessieren sie sich für das Schicksal der Menschen? Es ist keine Zeit für diese Fragen, wir müssen weiter und diesem Irrsinn entkommen. Am Zelt stehen der Magier und der Krieger, umringt von toten Wölfen und mehreren leeren Krügen Wein - beeindruckend! Sie schließen sich uns nach einem kurzen Wortwechsel an und wir ziehen uns gemeinsam in den Wald zurück, da nun auch Orks auf den Ort zumarschieren, die sogar Belagerungsmaschinerie dabei haben. Auf einer sicheren Lichtung kommen wir zur Ruhe und überlegen gemeinsam, was zu tun sei.

Der Magier stellt sich als Malinoff Zunder vor, der Edelmann ist sogar ein Prinz der Menschen, Prinz Valrik. Der Elf nennt nur seinen Namen, Lafindil. Malinoff scheint vielleicht eine Antwort zu haben, auf die Frage, was eine solche Armee in diesem kleinen Ort sucht. Es soll dort das Grab eines ruhmreichen Helden der Menschen geben, der im Krieg vor 500 Jahren Heldentaten vollbracht haben soll. Er selbst ist von seinem Orden ausgeschickt, um dieses Grab zu untersuchen. Tjuv und ich beschließen daraufhin, zum Friedhof zurück zu schleichen und nach der Gruft zu suchen. Wir finden jedoch nicht nur die Gruft. Auf dem Friedhof bietet sich ein Bild des Grauens. Die Toten sind aufgestanden und wandeln herum, mehr als 100 lebendiger Leichname bevölkern den Ort. Wir kehren zu unseren Gefährten zurück und wir warten auf das Tageslicht, um gemeinsam zur Gruft zu gelangen. Nach einer kurzen Rast brechen wir auf, in einen verhüllenden Nebel des Magiers gehüllt, der uns vor den Untoten schützen soll. 

Wir erreichen tatsächlich unbemerkt den Eingang der Gruft und ich rolle den großen Stein beiseite, der den Eingang zur Grabstätte verschließt. Im Licht, das der Magier herbeiruft, betreten wir diese Stätte. Sie scheint seit Jahrhunderten nicht betreten worden zu sein, alles ist mit Staub belegt und der Gang wird gesäumt von kleinen Nischen, in denen Skelette in altertümlichen Rüstungen liegen. Unser Weg führt uns zu einem unterirdischen See, an dessen Ufer mehrere Steinstatuen stehen, die mit magischen Symbolen übersät sind. Malinoff scheint diese Symbole deuten zu können. Es sind machtvolle Schutzzauber, die den Stein beleben und diese Statuen zu mächtigen Wächtern machen. Bei dem Helden handelte es sich offenbar um einen Oberen des Ordens der weißen Magier. Die Wächter lassen uns jedoch passieren, da sie Malinoff als Angehörigen des roten Ordens zu erkennen scheinen und seine Anwesenheit nicht als Bedrohung ansehen und wir dringen tiefer ins Innere dieser Gruft vor. Nach wenigen Schritten verlassen wir die große Höhle mit dem See und betreten eine Kammer, in dessen Mitte ein großes Skelett steht, zu Lebzeiten wohl ein Elf. Seine Knochen werden vollkommen von einem Panzer geschützt, dessen Oberfläche mit wirbelnden Runen bedeckt ist, die weder Malinoff noch Lafindil lesen können. Wir nähern uns und es scheint uns ebenfalls zu ignorieren. Lafindil tut jedoch etwas seltsames: er betet! Dies erklärt, wieso er unter Menschen lebt. Sein Volk scheint ihn verstoßen zu haben, da sein Verstand benebelt ist. Nach dem Gebet passiert erwartungsgemäß nichts und ich setze meinen Weg fort, um meine Gefährten weiter zu unserem Ziel zu führen. Als ich mich nun jedoch dem gerüsteten Skelett nähere, fährt aus dem Nichts ein Blitz in diese Kreatur und ein grollendes Echo ist zu hören, als sie sich auf mich zubewegt.

Ich zertrümmere mit mehreren Hieben meiner Waffe die Rüstung dieses Untoten, doch meine Kraft scheint ihn nicht zu verletzen. Lafindil scheint nun vollends von Sinnen und segnet seinen Wasserschlauch, während Malinoff mich mit einem Zauber in eine schützende Rüstung aus Stein hüllt und meinen Speer mit seiner Magie belegt, um diesen unaufhaltbaren Gegner verletzen zu können. Der Kampf wogt hin und her und die Magie des roten Magiers scheint der Macht, die dieses Skelett belebt hat, ebenbürtig zu sein. Ein weiterer Zauber Malinoffs lässt die Rüstung des Untoten in Sekunden verrotten und meine machtvollen und gezielten Hiebe zertrümmern nun die bloßen Knochen und scheinen den Gegner endlich zu verletzen. Ich hole gerade zu einem Schlag aus, als sich die Gestalt Lafindels zwischen mich und meinen Gegner drängt und er das Wasser aus seinem Wasserschlauch über diese Kreatur gießt, dessen Rüstung hell aufleuchtet, bevor die wirbelnden Runen erlöschen. Lafindel wird vom Schwert des untoten Elfen zu Boden gestreckt und ich dringe vor, um unserem Gefährten zu helfen - er mag verrückt sein, aber tapfer. Mein Schlag schmettert den Gegner an die Wand und er sinkt zu Boden, wo ein letzter gezielter Stoß meines Speers dessen Schädel zertrümmert. In der einkehrenden Stille ist nur unser schweres Atmen zu hören und Malinoff beugt sich zu Lafindil hinunter, um dessen Verletzungen zu untersuchen.

Der Elf ist nur benommen, aber der Schlag auf den Kopf scheint ihn den Rest seines Verstandes gekostet zu haben. Er behauptet ein Priester zu sein. Priester eines Gottes, der sich schon vor Jahrhunderten von allem Leben abgewandt und uns dem Toten Lande ausgeliefert hat. 

Wir dringen weiter ins Grab vor und unser Weg führt uns in einen sternförmigen Raum, in dessen Zentrum sechs Steinsäulen stehen, auf denen - so Malinoff - die Lebensgeschichte des weißen Magiers festgehalten wurde, der im Krieg vor 500 Jahren starb. Hier finden sich noch Möbel und Regale voller Bücher, alles jedoch verfallen und im Laufe der Jahre verrottet. Es gibt nur einen Weg aus diesem Raum hinaus und wir folgen weiter dem Licht aus Malinoffs Händen einem langen Gang, der vor einer verschlossenen Steintür endet. Lafinil warnt mich vor schwarzer Magie, die dahinter gewirkt wird und ich öffne sie vorsichtig mit meinem Speer, um mich Auge in Auge mit einer schwarzgewandeten Gestalt zu sehen. Malinoff macht eine kaum merkliche Geste mit dem Daumen und Zeigefinger seiner Hand und ich sehe, wie sich der Mund des Schwarzen verschließt und schleudere meinen Speer, der jedoch nur noch ins Leere trifft, da unser Gegner verschwindet und flieht.

 Im Raum vor uns befindet sich der Sarkophag, nach dem wir gesucht haben. Bei dem Schwarzen hat es sich offenbar um einen Magier des schwarzen Ordens gehandelt, der versuchte, den Steinsarg zu öffnen. Viele der Schutzzauber sind bereits gebannt, wir sind jedoch noch rechtzeitig angekommen, so dass wir verhindern konnten, dass er das Grab plündert. Malinoff kann die verbleibenden Schutzzauber umgehen und nimmt ehrfürchtig eine einzelne Spruchrolle sowie ein Buch aus dem Sarg. Lafindil spricht ein weiteres Gebet und sinkt wieder besinnungslos zu Boden, aber selbst ich spüre, wie alle Magie dieses Ortes erlischt. Sollten seine Gebete doch etwas bewirken können? Ich trage Lafindil und gemeinsam verlassen wir diese dunkle Stätte, um in das Licht unserer untergehden Welt hinauszutreten.

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